Weniger ist mehr. Was sonst? #Blogparade von @schoebitz & @PetraSchuseil (Teil 1)

Bettina Schöbitz und Petra Schuseil rufen zur Blogparade „Weniger ist mehr“ auf und ich freue mich. Denn sie stellen elementare Fragen:

Wie können wir trotz begrenzter Ressourcen einen Lebensstandard aufrechterhalten? Wie gestalten wir unseren Alltag bewusster, nachhaltiger und glücklicher? Was genau heißt „Weniger ist mehr“ im Kontext eines zukunftsfähigen Lebensstils? Worauf wollen Sie verzichten um ein Zeichen zu setzen? Womit wollen Sie WENIGER klar kommen? Was haben Sie gelernt? Erfahren? Was ist Ihnen begegnet? Was hat Sie berührt?

Nun bin ich ja so eine „Verantwortungstante“ und beschäftige mich mit solchen Fragen seit ich selbständig denken kann. Weil ich mich verantwortlich fühle, was ich durch mein Leben so alles anrichte. Hier hab ich mal darüber geschrieben. Und hier, warum ich uns Menschen für ver-rückt halte.

Mein Beitrag zur Blogparade besteht aus 3 Teilen (soviel also zu „Weniger ist mehr“… ;)). Im ersten Teil beschreibe ich, welches „Weniger“ für mich seit 27 Jahren „normal“ ist (ich bin grade schicke 42). Im zweiten Teil gehe ich darauf ein, wofür ich mich aktuell als Mensch und als Unternehmerin einsetze und wie. Der 3. Teil widmet sich dem, was ich momentan in meinem Leben in Richtung „Weniger“ verändere.

Ich schreibe sehr ausführlich und auch persönlich, weil mir das Thema so sehr am Herzen liegt und weil ich gern Impulse geben möchte. NachahmerInnen und WeiterdenkerInnen mögen sich herzlichst willkommen fühlen!

Weniger wovon? Was für mich seit ungefähr 27 Jahren „normal“ ist.

Weniger Konsum

Und wenn, dann so viel Bio, FairTrade, regional und tierleidfrei wie möglich (Lebensmittel, Konsumgüter), weil konventionelle Landwirtschaft und ausschließlich auf Wachstum ausgerichtete Produktion Menschen und Tiere ausbeutet und unsere Lebensgrundlage ruiniert.

Ich kaufe zum Beispiel Schuhe, die einigermaßen ethisch sinnvoll produziert sind (pflanzliche Ledergerbung, Leder aus Europa, kleine, innovative Hersteller) und trage sie meist mehr als 10 Jahre. Inzwischen gibt’s sogar sehr empfehlenswerte Öko-Chucks von Ethletic.

Ich kaufe möglichst Kosmetik, die palmölfrei ist und deren Hersteller auf Tierversuche verzichten. Und gehe sparsam damit um. Eine Neuentdeckung: 5+1 freier Nagellack von Intensae.

Ich kaufe Kerzen aus Stearin statt Erdöl. Da ich es liebe, abends nur Kerzen anzuhaben, ist das eine ganze Menge.

Weniger Konsum bedeutet auch weniger Verschwendung. Wer ihn noch ncht gesehen hat: hier geht’s zum Film „Taste the Waste“.

Weniger schmeckt übrigens auch besser, finde ich. Intensiver irgendwie. Weniger Aufstrich aufs Brot, weniger Kräuter im Tee oder Espressopulver im Kaffee. Probier’s mal aus.

Weniger Müll

Durch weniger Konsum insgesamt, durch Wiederverwertung, Second Hand, regionalen Einkauf und Bevorzugung von verpackungsarmen Produkten. Kleine Anekdote: mit 16 hab ich mit der örtlichen Greenpeace-Gruppe vor McDonalds demonstriert und fand das sehr cool. Wir haben den Menschen, die reingingen, Mehrweggeschirr in die Hände gedrückt.

Weniger Tierleid durch bewussten Konsum und ehrenamtliches Engagement

Wo fange ich an? „Nutztiere“ überall auf der Welt. Die Kühe im Stall neben mir. (Galle-)Bären in Asien. Streuner-Hunde und -Katzen in vielen Ländern, auch bei uns. Wildtiere im Zirkus. Tierversuche. Bienensterben. Bedrohte Tierarten. Tiere, die bei Menschen leben und aus Unfähigkeit, Unwissenheit oder Gleichgültigkeit schlecht behandelt werden. Esel in Griechenland und anderswo. Tierleid ständig und überall.

Firmen, die Tierversuche durchführen oder in Auftrag geben, boykottiere ich, so gut es geht. Äußerst hilfreich dabei: die Datenbank von Animals Liberty (gibt’s auch als App). Falls du (noch) Catsan für deine Katzen verwendest und Whiskas oder Royal Canin fütterst, schau mal rein!

Ich lebe mit Tieren, die ich entweder selbst aus schlimmsten Bedingungen befreit oder aus dem Tierschutz aufgenommen habe. Was für ein Geschenk, was für ein Glück! Mit ihnen leben zu dürfen, sie kennenzulernen, ihre Freude, ihren Ubermut, ihre Ängste, ihr Vertrauen mitzuerleben. Ihnen ein gutes Leben ermöglichen zu dürfen.

Kein Fleisch/Fisch

Die Entscheidung, vegetarisch zu leben, fiel mit ca. 15, als ich einen Bericht über Tiertransporte sah. Seither verzichte ich darauf und es fühlt sich wunderbar stimmig an. Wenn auch die Badnerin in mir anfangs Mühe hatte: Maultaschen? Lins&Spätzle mit Saitenwürschdle? Es fühlt sich übrigens gar nicht wie Verzichten an, eher wie ein notwendiger und freudiger Beitrag zu etwas Gutem.

Inzwischen halte ich in Überfluss-Ländern wie Deutschland die Reduzierung des Fleischkonsums nicht nur aus tierrechtlichen Gründen für absolut not-wendig (industrielle Massentierhaltung, respektloser Umgang mit sog. Nutztieren, unsägliche Schlachtbedingungen etc.), sondern auch aus Gründen der Menschenrechte (Welthunger, Antibiotikaeinsatz, Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen) und des Klimaschutzes (Vernichtung von Natur zugunsten Futtermittelanbau etc.).

Wer kann und mag, schaut sich die Präsentation zur Industriellen Massentierhaltung an, die ich hier verlinkt habe (ans Ende des Artikels scrollen).

Ganz ehrlich: ich finde, in den Industrieländern sollten nicht mehr die VegetarierInnen begründen müssen, warum sie so leben, sondern die, die jeden Tag Fleisch essen!

Weniger Autofahren

Ich fahre schrecklich ungern mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Aus Gründen. Ich hab’s trotzdem lange gemacht, je nach Lebenssituation. Hier auf’m Land geht nichts ohne Auto. Autofahren empfinde ich außerdem als Luxus, den ich mir erlaube, weil ich es bequem und angenehm finde. Seit 3 Jahren fahre ich deshalb mit Erdgas, weil ich das für die momentan einzige praktikable und ökologisch vertretbare Antriebstechnologie halte. Wenn wir Fracking verhindern!

Weniger Diskriminierung von Frauen

Seit ich selber denken kann, bin ich Feministin. Mit biographisch vielen Veränderungen darin. (Mit 18 fand ich es unglaublich cool, mit einem Buch von Simone de Beauvoir in der Jackentasche rumzulaufen und überall, wo ich warten musste, darin zu lesen. Süß, oder?) Was bleibt, ist das Herzensanliegen, dass Frauen in der Welt endlich wie Menschen mit gleichen Rechten behandelt werden und sich nicht länger an der Norm des weißen, christlichen, heterosexuellen Mannes messen lassen (müssen).

Seit meinem Studium engagiere ich mich frauenpolitisch. Privat, im Ehrenamt und im Beruf.

Zu den absoluten Basics zähle ich, dass ich gendergerecht spreche und schreibe. Dazu habe ich hier schon mal geschrieben. Hier findest du was zu Verantwortung im Zusammenhang mit rape culture und hier ein paar Tipps zum Umgang mit Sexismus in den Medien.

Das einfache, gute Leben.

Über die Jahre habe ich mich glücklicherweise entwickelt: von der bornierten, kompromisslosen Dogmatikerin mit missionarisch-idealistischem WeltverbesserungsEifer hin zu einer Haltung von „Ich tu mein Bestes, so, wie es mir in jedem Moment möglich ist. Andere Menschen auch. Und Kompromisse gehören zum Leben.“. Milde vor allem mir selbst gegenüber.

Was sich durchzieht, ist der Wunsch nach dem einfachen Leben, dem guten Leben für alle. (Dazu habe ich hier kürzlich gebloggt.) Ein Leben ohne viel Brimborium. Es gibt so vieles, das ich, würde ich auf Medien und manche Menschen hören, brauchen sollte. Tu ich aber nicht.

Und das fühlt sich sehr gut und frei an. Durch Einkaufsstraßen zu gehen (wenn überhaupt mal) und fast nichts davon zu brauchen. Meine Quellen der Freude sind andere. Gespräche mit Tiefgang. Die Tiere, die mit mir leben. Ein feines einfaches Essen aus frischen Zutaten. Die Wolken über den Bergen. Kann eins langweilig finden. Für mich ist’s genau richtig.

Im zweiten Teil dieses Artikels gibt’s mehr dazu, wie ich als Unternehmerin zu einem zukunftsfähigen Leben beitrage.

Ina Machold
DREILAND | Potenziale nutzen. Nachhaltig.

»Poten­ziale nach­hal­tig zu nut­zen, heißt, die Per­sön­lich­keit zu ent­fal­ten.
Die Per­sön­lich­keit als Mensch und die Per­sön­lich­keit als Orga­ni­sa­tion.«

Ich unterstütze seit 1996 Menschen darin, ihre persönlichen, beruflichen und politischen Potenziale zu entfalten.
Themenfelder: Kommunikation | Konflikte | Ziele

Unternehmen und Organisationen verändern durch meine Arbeit ihre Kultur.
Unternehmensprozesse: Führung | Kompetenz Management | Diversity Management

Diplom-Pädagogin und Mediatorin
Autorisierte Prozessberaterin für KMU bei unternehmensWert:Mensch
Mehr über meine Erfahrung, Arbeitsweise und Werte auf der DREILAND Website.