Was ist das eigentlich genau – Mediation?

Immer wieder werde ich gefragt, was das denn nun eigentlich genau sei – Mediation. Und wofür das gut sei und in welchen Bereichen.

Dieser Artikel gibt eine Antwort darauf, wie ich Mediation verstehe und einsetze. Als Wirtschaftsmediation, als Familienmediation und als Nachbarschaftsmediation.

Was ist Mediation?

Die Mediation ist ein Mittel zur selbstbestimmten, einvernehmlichen Konfliktlösung, findet unabhängig von einem Gericht statt und ist in den meisten Fällen sehr viel zeitsparender und kostengünstiger als eine gerichtliche Entscheidung. Zudem trägt eine Mediation zur Verbesserung der persönlichen Beziehungen zwischen den Beteiligten bei. Denn:

In der Mediation setzen sich alle, die am Konflikt beteiligt sind, an einen Tisch und erarbeiten gemeinsam in einem strukturierten Ablauf eine individuelle und für alle Beteiligten tragfähige Lösung – mit mir in neutraler Funktion in ihrer Mitte. Das Verfahren findet nach festgelegten Regeln und Prinzipien statt, z. B. Fairness, Neutralität der Mediatorin, Freiwilligkeit, respektvolle Kommunikation.

Seit 2012 ist die Mediation in Deutschland gesetzlich geregelt.

Wo kann Mediation eingesetzt werden?

Ausgangspunkt für eine Mediation ist ein Konflikt zwischen Menschen. Egal, ob es sich um eine Wirtschaftsmediation, eine Familien- oder eine Nachbarschaftsmediation handelt.

Ein Konflikt in der Familie oder Lebensgemeinschaft, unter Verwandten, in der Nachbarschaft, unter Freund_innen.

In Unternehmen, Organisationen, Vereinen, Parteien, in der Schule. Im Team oder Kollegium, zwischen einzelnen, mit Geschäftspartner_innen, zwischen Leitung und Betriebs-/Personalrat, zwischen Gremien.

In Praxisgemeinschaften, zwischen Mediziner_in und Patient_in, zwischen Mieter_in und Vermieter_in.

Besonderheit in meinem Angebot: „Diversity-sensible Mediation“

Unternehmen und Organisationen, die auf Diversity-Strategien setzen, erhalten bei mir eine spezielle Leistung: die „Diversity-sensible Mediation“.

Eine Mediation, die die Kategorien von Alter, Geschlecht/Gender, sexueller Orien­tierung, Kultur, Herkunft etc. immer im Blick hat. Die die Vielfalt als wertvolle Ressource anerkennt und die Konflikte, die daraus entstehen, als Chance für gelebte Diversity-Kultur begreift.

Was ist das Ziel einer Mediation?

In der Mediation wird alles daran gesetzt, eine einvernehmliche Lösung zu ermöglichen. Dazu gehören:

  • Berücksichtigung der Interessen und Bedürfnisse aller Konfliktpartner_innen
  • Erarbeitung konkreter, umsetzbarer Lösungen
  • Nachhaltige Konfliktlösung durch Konsens statt durch Recht oder Macht
  • Konfliktlösung für die Zukunft und Einbezug der Vergangenheit nur so weit, wie sie für die Lösung wichtig ist

Häufig kannst du lesen, dass das Ziel der Mediation eine Win-Win-Lösung sei. Also eine Lösung, bei der alle Seiten das Gefühl haben, mehr erreicht zu haben als gedacht. Nicht wie in einem Kompromiss, in dem jede_r ein bisschen von seinen_ihren Wünschen und Vorstellungen zurücktritt, um sich „irgendwo in der Mitte“ zu einigen.

Weil ich nun ziemlich bodenständig und realistisch bin, hüte ich mich davor zu behaupten, die Mediation würde zu einer Win-Win-Lösung führen. Das kann sein, ja. Dann ist es wunderbar. Aber oft ist es eben doch ein Kompromiss. Allerdings: ein Kompromiss, der aus freier Entscheidung und aus dem wechselseitigen Verständnis entsteht und deshalb nicht wie sonst üblich mit einem „Gschmäckle“, also einem unguten Gefühl behaftet ist. Ein Kompromiss, der einem Konsens sehr nahe ist und deshalb wirklich trägt.

Welche Rolle hat die Mediatorin?

Im Vorfeld und innerhalb einer Mediation übernehme ich folgende Aufgaben:

  • Ich organisiere den gesamten Ablauf inkl. Terminvereinbarung und Räumlichkeiten.
  • Ich beziehe frühzeitig alle Konfliktpartner_innen ein.
  • Ich trage die Verantwortung für den Ablauf und die klare Struktur des Verfahrens und setze meine Methoden immer so ein, dass sie dem Ziel dienen.
  • Ich sorge dafür, dass die Mediations-Grundsätze (s. unten) und die vereinbarten Regeln eingehalten werden.
  • Ich vermittle als allparteiliche, externe Person 
(ohne inhaltliche Entscheidungskompetenz oder Gutachterinnenfunktion).
  • Ich unterstütze die Parteien darin, den Konflikt eigenverantwortlich zu lösen.

Wie läuft eine Mediation ab?

Bevor ein erstes Mediationstreffen vereinbart wird, führe ich i. d. R. ein Informationsgespräch mit den Beteiligten, in dem alle Fragen, die das Verfahren betreffen, geklärt werden. So kann jede_r entscheiden, ob die Mediation in Frage kommt. Außerdem mache ich mir ein erstes Bild von dem Konfliktfeld, um entscheiden zu können, ob die Mediation dafür ein geeignetes Vorgehen ist.

Das weitere Vorgehen ist dann abhängig von mehreren Faktoren. Zum Beispiel von der strukturellen Verortung des Konflikts und der Beteiligten im Unternehmen/in der Organisation, von der Reichweite des Konflikts oder dem Thema.

In manchen Fällen verschaffe ich mir genauere Informationen über die Konfliktsituation, indem ich mit jeder Konfliktpartei vorab ein Einzelgespräch führe oder Unterlagen aus dem Unternehmen/der Organisation beschaffe, die mit dem Konflikt zu tun haben.

Außerdem kläre ich, ob und unter welchen Voraussetzungen alle Konfliktbeteiligten bereit sind, sich zusammenzusetzen und miteinander nach einer Lösung zu suchen. Und unterstütze notwendige Überzeugungsarbeit.

Wenn alle Beteiligten dann meiner Einladung zum ersten Mediationstreffen gefolgt sind und an einem Tisch sitzen, folgt der Ablauf dieser Struktur:

Bildschirmfoto 2014-02-08 um 14.03.20

Nach welchen Grundsätzen wird in der Mediation gearbeitet?

Neutralität und Allparteilichkeit

Ich stehe als Mediatorin sprichwörtlich in der Mitte zwischen den Konfliktbeteiligten. Weder ergreife ich für eine Seite Partei noch beziehe ich inhaltlich Stellung.

Jede_r hat die gleichen Rechte und bekommt den gleichen Raum, die eigenen Sichtweisen darzustellen.

Vertraulichkeit

Alle Beteiligten verpflichten sich, gegenüber Unbeteiligten Stillschweigen über die in der Mediation besprochenen Inhalte zu wahren, ebenso die Mediatorin.

Falls dies im Einzelfall aus wichtigen Gründen nicht möglich ist, kann der Kreis der Vertrauten erweitert werden, allerdings nur mit dem Einverständnis aller.

Ich als Mediatorin unterliege ebenfalls der Vertraulichkeit, darf also gegenüber Dritten (z. B. Bekannten, Anwält_innen, Auftraggeber_innen) keine Informationen aus dem Verfahren weitergeben.

Freiwilligkeit und Selbstverantwortung

Alle Beteiligten wie auch die Mediatorin nehmen an der Mediation auf freiwilliger Basis teil. Die Mediation kann zu jedem Zeitpunkt von einer Konfliktpartei abgebrochen werden. Auch ich kann das Verfahren abbrechen, wenn ich es für notwendig halte, z. B. wenn eine Partei durch ihr Verhalten den Erfolg der Mediation gefährdet.

Die Beteiligten tragen für sich, ihr Verhalten und für die Lösung alleine die Verantwortung. Ich als  Mediatorin habe die Verantwortung für einen fairen und geregelten Verfahrensablauf.

Ergebnisoffenheit

Eine Mediation kann nur dann durchgeführt werden, wenn die Parteien bereit sind, gemeinsam nach einer tragfähigen Lösung zu suchen, ohne von vornherein auf eine eigene Lösung fixiert zu sein. Dies gilt auch für etwaige Auftraggeber_innen.

Information und Transparenz

Alle Konfliktpartner_innen müssen sich gegenseitig über Sachverhalte, die das Konfliktthema oder die Mediation betreffen, rechtzeitig und jederzeit informieren.

Außerdem besteht jederzeit die Möglichkeit, nach Bedarf und in Absprache rechtliche oder andere fachliche Informationen von außen einzuholen. Das sollte spätestens vor der Abschlussvereinbarung erfolgen. Nur so kann eine allseits akzeptierte und gesicherte Lösung vereinbart werden.

Ich lege meine Vorgehensweisen im Verfahren für alle Beteiligten offen und begründe, warum ich ich wie handle. Darüber hinaus muss ich als Mediatorin alle Informationen, die mir die Konfliktparteien im Vertrauen geben, vertraulich behandeln und darf sie nicht im Verfahren benutzen.

Warum funktioniert Mediation?

Das Geniale an der Mediation ist, dass sie tatsächlich funktioniert. Und zwar deshalb, weil die Menschen, die miteinander im Konflikt sind, sich nicht länger als Gegner_innen betrachten.

Im Herzstück einer Mediation, der Interessenklärung, erleben sich die Beteiligten wieder als Menschen. Sie erkennen, dass der_die andere eigene wichtige Motive für sein_ihr Handeln hat und beginnen, ihn_sie besser zu verstehen. Das ist die Basis dafür, sich der Möglichkeit einer selbstbestimmten Lösung zu öffnen. Und bis dahin ist es dann nicht mehr weit.

Hier habe ich schon einmal genauer beschrieben, warum Mediation funktioniert. Und hier findest du ein kleines fingiertes Beispiel.

Außerdem findest du Informationen über Lösungsmöglichkeiten für Konflikte und darüber, wie wir Menschen ticken im Streit.

Fragen? Immer gerne!

Ina Machold
DREILAND | Potenziale nutzen. Nachhaltig.

»Poten­ziale nach­hal­tig zu nut­zen, heißt, die Per­sön­lich­keit zu ent­fal­ten.
Die Per­sön­lich­keit als Mensch und die Per­sön­lich­keit als Orga­ni­sa­tion.«

Ich unterstütze seit 1996 Menschen darin, ihre persönlichen, beruflichen und politischen Potenziale zu entfalten.
Themenfelder: Kommunikation | Konflikte | Ziele

Unternehmen und Organisationen verändern durch meine Arbeit ihre Kultur.
Unternehmensprozesse: Führung | Kompetenz Management | Diversity Management

Diplom-Pädagogin und Mediatorin
Autorisierte Prozessberaterin für KMU bei unternehmensWert:Mensch
Mehr über meine Erfahrung, Arbeitsweise und Werte auf der DREILAND Website.