Ver-rückt sind wir! Was unsere Gewohnheiten mit dem Rest der Welt zu tun haben

Manchmal, wenn es sich entweder nicht vermeiden lässt oder ich unerklärlicherweise Lust auf eine kleine Shoppingrunde habe ;), gehe ich durch die Stadt, die Einkaufspassagen, die Läden… und staune. Staune und wundere mich. Einen Satz auf den Lippen: „Bin ich froh, dass ich das nicht brauche!“. Ein Kosmetikregal beherbergt zum Beispiel gefühlte hundert Sorten Gesichtscremes. Daneben das Regal mit den Shampoos. Daneben… eine Abteillung weiter…

Wenn ich heimkomme, hab ich vielleicht ein Brot gekauft. Oder ein Unterhemd. Oder meinen derzeitigen Lieblingsaufstrich. That’s it.

Neulich habe ich in meinem Beitrag „Authentisch sein – eine tiefe Sehnsucht unserer Zeit?“ darüber geschrieben, dass wir meiner Meinung nach ziemlich ver-rückt sind und leben.

Ich finde, wir sind ver-rückt von einer gesunden Mitte. In zweifacher Hinsicht:

Ver-rückt von der Mitte in uns selbst zu allererst. Das ist, wie ich glaube, ein Normalzustand für 90% von uns. Wie oft höre ich von anderen oder von mir selbst den Satz „Wenn ich nur wüsste, was richtig ist!“. Wären wir in unserer Mitte verankert, wüssten wir in wahrscheinlich jedem Moment, was „richtig“ ist. Dann bräuchten wir auch keine „Wie verhalte ich mich richtig in Situation X“-Trainings oder „So schaffe ich den perfekten Auftritt“-Seminare. Dann sehnten wir uns nicht so sehr nach Authentizität, nach unserer Mitte (zurück).

Ver-rückt sind wir außerdem – und das ist wohl die Auswirkung des „von-uns-selbst-ver-rückt-seins“ – von einem für alle gesunden Maß. Ich meine damit das Maß, an dem wir unser menschliches Leben „messen“. Das Maß, an dem wir für uns, jeder und jede für sich, festmachen, ob wir ein gutes oder weniger gutes Leben führen. Das Maß, das uns sagt, was und wieviel wir brauchen. Wieviel Liebe, Beziehungen, Erfolg, Wohnraum, Bikini-Figur, Glücksgefühle, Heißgetränke, Kleidung, Freiheit, Körperbehaarung, Hubraum, warme Mahlzeiten, Reiseziele, Elektrogeräte, Bildung, Twitter-Follower, Sonnenschein, Cellulite-Creme, Geldscheine, Butter aufm Brot. Und was wir eben alles brauchen. Oder glauben zu brauchen. Oder brauchen sollen.

Wenn jede und jeder von uns in der eigenen Mitte verankert wäre, dann hätten sehr sehr viele Lebewesen in dieser Welt ein ähnlich gutes Leben (oder was wir dafür halten…) wie wir.

Dann wüssten wir, dass es nicht richtig sein kann, dass wir die Erde benutzen und beschmutzen, als wäre sie nicht das, was sie ist: unsere Lebensgrundlage. Und noch viel mehr.

Dann wüssten wir, dass es richtig ist, Rücksicht zu nehmen auf diejenigen, die nicht so gut für sich selbst eintreten können. Eine Frau mit einer geistigen Behinderung zum Beispiel. Ein Kind. Eine Näherin in Bangladesh (wenn das stimmt, dass sie nicht so gut für sich eintreten kann. Ich vermute es nur.). Ein Tier.

Dann wüssten wir auch, dass wir kein Leben ohne Respekt behandeln dürfen. Wir wüssten es einfach.

Und dann wären wir auch mutiger, wenn es darum geht, unsere Gewohnheiten zu verändern. Uns aus unserer Bequemlichkeit herauszubewegen. Traditionen zu verändern. Gewohnheiten, die zur Folge haben, dass andere Lebewesen leiden. Und ich rede hier jetzt nicht über Notwendigkeiten. Die Notwendigkeit, uns zu ernähren, uns zu kleiden, ein Dach über dem Kopf zu haben. Unsere pure Existenz führt ganz automatisch dazu, dass anderes Leben stirbt. Das ist natürlich. Ein jedes lebt vom anderen.

Ich rede hier von den Gewohnheiten, die wir oftmals als Notwendigkeit empfinden, die aber gar keine sind. Billige Kleidung einzukaufen zum Beispiel. Jeden Tag Fleisch zu essen. Jedes Jahr zweimal per Flieger eine Fernreise zu machen. Eine „Spritschleuder“ zu fahren. Oil of Olaz zu benutzen. Im Februar Erdbeeren zu essen. Die Liste ist lang. Und die hier bezieht sich nur auf Europa!

Unsere wirkungsreichste Gewohnheit ist, nicht über unser Verhalten und dessen Folgen nachzudenken!

Wenn es um Tiere und ihr durch uns verursachtes Leiden geht, setzt sehr verlässlich mein sonst gut funktionierendes logisches Denken aus. Ich spüre einfach nur mit meinem ganzen Sein, dass wir so nicht mit ihnen umgehen dürfen, wie wir es überall auf der Welt tun. Und übe mich – mit immer besseren Erfolgen :) – darin, nicht in ein MitLeiden zu geraten. MitFühlen unbedingt! Aber nicht versinken im MitLeid. Das hilft nämlich nix. Mir nicht. Und dem Tier erst recht nicht.

Was den Tieren hilft, ist unser Engagement.

Und zum Glück gibt es viele Menschen, die sich engagieren! Die Animal’s Angels, die Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt, die Kleintierhilfe München, Animals Asia, Müde Pfoten. Nur ein paar wenige Organisationen, deren Arbeit ich sehr schätze.

HERZDANK an alle Menschen, die sich auf ihre Art für die Tiere einsetzen! Im Kleinen und im Großen.

Eins noch: gerade erreicht mich eine Nachricht. Ein Artikel in der Welt: Blinde Kühe im Koma, unfähig zu leiden. Darin wird aus der Forschung berichtet darüber, wie sogenannte Nutztiere genetisch dahingehend manipuliert werden, dass sie neben Höchstleistung auch noch Pflegeleichtigkeit und Leidensunfähgkeit liefern. Wie praktisch. Eine Kuh, blind, komatös, eingeschnallt in eine Apparatur, deren Körper Höchstmengen an Milch produziert. Damit wir unsere (klimaschädlichen, welternährungspolitisch unverantwortlichen, ethisch fragwürdigen… aber egal…) Gewohnheiten pflegen können. Und wir an unserem Gewissen, so es sich denn regt, nicht allzu schwer tragen müssen, wir armen Menschen.

Wie ver-rückt. So ver-rückt, dass ich kurz überlege, ob heute der 1. April ist.

Ina Machold
DREILAND | Potenziale nutzen. Nachhaltig.

»Poten­ziale nach­hal­tig zu nut­zen, heißt, die Per­sön­lich­keit zu ent­fal­ten.
Die Per­sön­lich­keit als Mensch und die Per­sön­lich­keit als Orga­ni­sa­tion.«

Ich unterstütze seit 1996 Menschen darin, ihre persönlichen, beruflichen und politischen Potenziale zu entfalten.
Themenfelder: Kommunikation | Konflikte | Ziele

Unternehmen und Organisationen verändern durch meine Arbeit ihre Kultur.
Unternehmensprozesse: Führung | Kompetenz Management | Diversity Management

Diplom-Pädagogin und Mediatorin
Autorisierte Prozessberaterin für KMU bei unternehmensWert:Mensch
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