“Only ‚Yes‘ Means Yes“ oder: wir haben die Verantwortung für unser Tun

Gerade habe ich auf kleinerdrei Maike’s hilfreiche Sammlung zum Thema rape culture „So oder so ähnlich, jeden Tag!“ gelesen und muss einfach ergänzend was dazu schreiben.

Wir Menschen… wir tun uns einfach schwer (sehr wohlwollend formuliert im Zusammenhang mit dem Thema sexualisierte Gewalt!), wirklich Verantwortung für uns und unser Handeln zu übernehmen. Es ist ja auch so viel bequemer, andere dafür verantwortlich zu machen, was wir tun und, ganz beliebt, warum wir tun, was wir tun!

Ich sage an dieser Stelle bewusst „wir“, weil nicht nur Vergewaltiger die Verantwortung für ihre Verbrechen wegschieben und damit in unserer sexistischen Kultur sehr erfolgreich sind.

In meiner langjährigen Arbeit mit vielen unterschiedlichen Menschen ist mir klar geworden, dass wir alle uns manchmal verleiten lassen, andere für unser Tun verantwortlich zu machen.

Oft sind es schon die ganz kleinen unserer Handlungen, mit denen wir nichts zu tun haben wollen, einen Freund beschimpft haben zum Beispiel. Oder die Geliebte ignorieren. Und dann gibt’s auf die ein oder andere Art den Satz: „Weil du so bist, wie du bist, weil du tust, was du tust, kann ich nicht anders als…“.

Darin liegt eine der Ursachen für das unendliche Leid, das wir anderen – Menschen, Tieren, dem Leben – und uns selbst antun. Davon bin ich überzeugt.

In ihrem Blogartikel „Only ‚Yes‘ Means Yes: What Steubenville’s Rape Trial Reminds Us About Sexual Consent“ beschreiben Jessica Valenti und Jaclyn Friedman, wie wir mit Vergewaltigern und ihren Opfern umgehen und wie perfide die Argumentationen sind, die auch von juristischer Seite angeführt werden, um die Opfer – alt bewährte Täterstrategie – zu den Schuldigen zu machen. Die Verantwortung für die Gewalttat den Frauen zuzuschieben: Hätte sie den berühmten Minirock nicht getragen, oder einen weniger kurzen, oder besser eine lange Hose… dann wäre ihr das nicht passiert. Und wenn sie „Nein“ gesagt hat…? Sorry, dann hat sie’s halt nicht NACHDRÜCKLICH genug gesagt. Geht’s noch?!

Wenn ich etwas tue oder unterlasse, habe ich allein die Verantwortung dafür! Ich. Niemand sonst! Wenn ich den Müll rausbringe und dabei den Flur schmutzig mache, komme ich auch nicht durch damit, dass der Flur im Weg war oder die Tüte zu klein!

Aber: wir versuchen’s.  Wir versuchen, den Flur verantwortlich zu machen. So sind wir Menschen. Ein bisschen mehr Selbstverantwortung stünde uns allen gut!

Deshalb möchte ich gern den „5 Ways We Can Teach Men Not to Rape“ von Zerlinda Maxwell drei weitere Schritte hinzufügen:

Lasst uns ALLE lernen,

6. wirklich die Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen, mit jeder Faser unseres Seins, und

7. sensibel dafür zu werden, wann wir und andere schon im kleinen die Verantwortung wegschieben, und:

8. Lasst uns diesen Mechanismus aufdecken, wann immer wir ihn wahrnehmen! Bei uns selbst und bei anderen.

Wir brauchen eine „Kultur der Selbstverantwortung“, um an der allgegenwärtigen sexistischen Gewalt-„Kultur“ etwas zu verändern.

Allons nous indigner et engager!

Ina Machold
DREILAND | Potenziale nutzen. Nachhaltig.

»Poten­ziale nach­hal­tig zu nut­zen, heißt, die Per­sön­lich­keit zu ent­fal­ten.
Die Per­sön­lich­keit als Mensch und die Per­sön­lich­keit als Orga­ni­sa­tion.«

Ich unterstütze seit 1996 Menschen darin, ihre persönlichen, beruflichen und politischen Potenziale zu entfalten.
Themenfelder: Kommunikation | Konflikte | Ziele

Unternehmen und Organisationen verändern durch meine Arbeit ihre Kultur.
Unternehmensprozesse: Führung | Kompetenz Management | Diversity Management

Diplom-Pädagogin und Mediatorin
Autorisierte Prozessberaterin für KMU bei unternehmensWert:Mensch
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