Gendern beim Bloggen? Was denn sonst…?! #Blogparade

Über Gitte Härters Blogbeitrag habe ich von der Blogparade von Martin Grünstäudl erfahren.

Und mich gewundert. Sehr.

Kurz überlegt, ob das ein Scherz sein mag.

Dann mich aufgeregt, haaregesträubt, rumgepoltert in vertrauter ich-muss-die-welt-retten-und-sie-über-„die“-wahrheit-aufklären-Manier. Luise Pusch for President! Oder Anatol Stefanowitsch!

Dann mich beruhigt. Mittels altbewährter mentaler Techniken zur Verarbeitung der Tatsache, dass die Welt noch längst nicht begriffen hat, was mir seit ewigen Zeiten bis in die Knochen klar und selbstverständlich ist.

Gelandet bei: jede/r macht’s eben so, wie er oder sie es macht. Punkt. Ohne jede Wertung. Einfach nur: so ist’s. Wieder gut gefühlt. Puh.

Danke für den Schreibimpuls, Martin Grünstäudl!

Also: es wird die Frage gestellt, ob bloggende Menschen darauf achten sollten, gendergerecht zu schreiben.

Meine Antwort: was denn sonst?!

Ich finde, wer Sprache benutzt, gesprochen, gesungen oder geschrieben, hat Verantwortung. Also fast jeder Mensch.

Wer öffentlich Sprache benutzt, trägt ein Vielfaches an Verantwortung.

Unsere Gesellschaft ist tief geprägt von patriarchalen Strukturen und Mustern.

Sprache ist eine dieser Strukturen.

Wenn eine Struktur zu Ungerechtigkeit führt (und das tut unsere Sprachverwendung nachgewiesenermaßen), muss sie verändert werden.

Veränderung von Strukturen kann gelingen, dafür haben wir viele historische Beispiele aus der ganzen Welt.

Also warum nicht die Sprache verändern? Wenigstens in dem Rahmen, der mir als einzelner Mensch zur Verfügung steht.

Für mich ist völlig klar, dass ich darauf achte und mich darin übe (jaaa, auch anstrenge… das ist eben so beim Aufgeben von Gewohnheiten), auf vielen Ebenen auf mein Sprechen und Schreiben zu achten.

Zum Beispiel versuche ich, immer beide Geschlechter zu nennen, wenn mir kein wirklich geschlechtsneutrales Wort einfällt. Das mache ich entweder mit dem Binnen-I („BloggerInnen“) bzw. einem Schrägstrich („sie/er“) oder indem ich beide nacheinander nenne („Bloggerinnen und Blogger“). Am liebsten aber verwende ich genderneutrale Wörter („Bloggende“), auch dann, wenn sie ungewohnt sind. Oder ich umgehe die Unterscheidung nach Geschlecht ganz, indem ich umformuliere („Gendern beim Bloggen“).

Zum Beispiel versuche ich, einzelne Begriffe, die historisch oder gesellschaftlich in bestimmter Weise besetzt sind, nicht zu benutzen. Und verwende statt dessen eine Beschreibung, wie z. B. „ein Mensch mit anderer Herkunft als meine“. Falls die Herkunft überhaupt wichtig ist. Was sie sehr selten ist! Oder „ein Mensch mit dunkler Hautfarbe“. Falls die Farbe der Haut eine Rolle spielt. Seltenst der Fall!

Zum Beispiel versuche ich in meinem Sprechen und Schreiben das als „normal“ angesehene – weiß, männlich, christlich, heterosexuell… – in Frage zu stellen, indem ich mehrere Menschengruppen explizit nenne. Dann spreche ich von „männlich, weiblich, beides oder anderes“ und hoffe (und weiß aus ein paar Kontakten), dass sich trans- und intersexuelle Menschen dadurch direkt angesprochen fühlen.

Ja, ich find’s manchmal auch anstrengend, immer dran zu denken, wie ich spreche oder schreibe. Aber das ist mir egal.

Weil ich möchte, dass mein Sprechen und Schreiben so viele Menschen wie möglich erreicht und in ihrem Sein respektiert. Dass mein Sprechen und Schreiben die Welt verändert.

Dass ich nicht in jedem Augenblick alles beachten kann und mir dadurch Fehler passieren, gestehe ich mir zu. Was ich mir nicht zugestehe ist, so bequem zu sein, mich dafür nicht zu öffnen, dass manche Menschen sich sich durch bestimmte Wörter oder Formulierungen benachteiligt, ausgegrenzt, vergessen fühlen.

Beim Schreiben dieses Textes merke ich, wie sehr ich aufgeregt bin. Weil das hier sosehr ein Herzensthema in mir berührt.

Weil ich mir (wie ich hier schon geschrieben habe) sosehr wünsche, dass es irgendwann mal egal sein möge, ob wir einen männlichen oder weiblichen Körper, eine männliche oder weibliche Identität haben. Dass es egal sein möge, welcher Religion wir uns zugehörig fühlen oder ob nicht. Dass es egal sein möge, wie unsere Hautfarbe aussieht, wo wir herkommen, was wir beruflich tun, wieviel Ansehen oder Macht wir haben…

Dass wir einfach nur Menschen sind. Einfach so. Mehr nicht.

Das wäre eine feine Welt, was?!

Ina Machold
DREILAND | Potenziale nutzen. Nachhaltig.

»Poten­ziale nach­hal­tig zu nut­zen, heißt, die Per­sön­lich­keit zu ent­fal­ten.
Die Per­sön­lich­keit als Mensch und die Per­sön­lich­keit als Orga­ni­sa­tion.«

Ich unterstütze seit 1996 Menschen darin, ihre persönlichen, beruflichen und politischen Potenziale zu entfalten.
Themenfelder: Kommunikation | Konflikte | Ziele

Unternehmen und Organisationen verändern durch meine Arbeit ihre Kultur.
Unternehmensprozesse: Führung | Kompetenz Management | Diversity Management

Diplom-Pädagogin und Mediatorin
Autorisierte Prozessberaterin für KMU bei unternehmensWert:Mensch
Mehr über meine Erfahrung, Arbeitsweise und Werte auf der DREILAND Website.