„Das Leben ist Vielfalt!“ Gedanken über das Kämpfen, Schubladen und Demut

Tania Konnerth schreibt in ihrem aktuellen Newsletter (Ausgabe 36) über das Kämpfen. Das Kämpfen gegen sich selbst, gegen das Leben, gegen die Welt.
Schon ein paarmal hatte ich den Impuls, ihr auf einen ihrer schönen Newsletter zu antworten, aber dann war immer so viel anderes… jetzt ist’s soweit. Und als ich anfing zu schreiben, wurde der Text immer länger und länger, und ich war noch lange nicht durch mit allem, was ich sagen wollte. Deshalb habe ich mich entschieden, daraus einen kleinen Blogbeitrag zu machen.

Ja, das Kämpfen gegen das, was das Leben ausmacht – die Aufs und Abs, unsere eigene Unvollkomenheit, unser Vermögen und Unvermögen… – das kennen, so glaube ich, alle Menschen. Ich erlebe selbst am eigenen Leib und im eigenen Herz, wie sich ein Hauch von Selbstliebe ausbreiten darf, seit ich lerne, mit dem Fluss des Lebens zu gehen. Stolperig, keine Frage. Immer wieder die Ängste und Muster, die dazwischenfunken. Und doch ist eine grundlegende Wandlung für mich spürbar. Gut so, ich geh auf mein 42er Jahr zu… oder bin ich damit eh schon genau in der Energie? ;)

Ich merke das vor allem in meiner Rolle als Unternehmerin.

Zum Beispiel in meinem mich-sichtbar-machen in meinem Blog. Alle Welt (in diesem Fall MarketingExperInnen) sagt, es braucht einen Redaktionsplan. Ich habe keinen. Ich lasse mich treiben und folge meinen Impulsen. Wenn ich einen Schreibimpuls habe, setze ich mich hin und tauche für ein paar Stunden darin ab. Während des Schreibens schon erlebe ich, wie ich mich selbst überrasche: „Aha… das schreibst du also, Inale? Interessant!“. Und ich spüre, wie diese Vorgehensweise für mich genau richtig ist. Jenseits aller Empfehlungen. Da ist sie wieder: die Authentizität ;)

Oder die gebetsmühlenartig vorgetragenen Aussagen zur Notwendigkeit einer klaren Zielgruppendefinition. Ich habe keine. Weder für meinen Blog noch für mein Unternehmen. Das war ein mittlerer Kampf, den ich da ausgefochten habe mit mir. Zu spüren, entgegen allen ExpertInnenwissens: ich will mich nicht begrenzen, ich liebe die Vielfalt! Was wäre das auch für ein Widerspruch… mein Unternehmen heißt entfaltung hat RAUM und ich begrenze mich selbst in meiner Entfaltung?!

Zu mir soll jeder Mensch kommen dürfen, der sich bei mir gut aufgehoben fühlt. Jede und jeder soll sich eingeladen fühlen. Jenseits aller Schubladen. Jaaa, die Sache mit den Schubladen… Ich habe eine Zeitlang überlegt, ob ich den Blog irgendwas mit „schubladenfrei“ nennen soll. Es fiel mir nur nichts ein, was mir gefiel. Die phenomenelle hat das schön gelöst: phenomenelle – passt in keine schublade. Wie wahr :).

Das Leben ist Vielfalt!

Mit diesem „Slogan“ ist Tania’s Seite untertitelt. Jajaja! Was für eine wunderschöne Wahrheit! Die auch meine Wahrheit ist! Schon immer habe ich es geliebt, mit den unterschiedlichsten Menschen zu arbeiten. Mich darin zu erleben, kennenzulernen, zu üben, zu wachsen, Mensch zu werden und zu sein.

Hier mal ein paar Beispiele, mit welchen Menschen ich gearbeitet habe im Lauf meines Berufswegs (mit Hilfe von Schubladen erzählt, dessen bin ich mir bewusst!):

In einer Runde von 18 Männern zwischen 19 und 56, die für 4 Tage zum Thema Lerntechniken verdonnert worden waren, haben wir mit großem Spaß Plakate mit bunten Mind Maps bemalt. Da saßen ein LKW-Fahrer aus Kasachstan neben einem jungen Mann mit abgebrochenem Philosophiestudium, ein junger Mann mit drei Ausbildungsversuchen und Knasterfahrung neben einem stillen Älteren, der eigentlich nur noch hoffte, dass sein Rentenantrag durchgeht, weil er wegen jahrelanger Arbeit als Fliesenleger körperlich völlig am Ende war.

AkademikerInnen, die an Depression oder anderen seelischen Erkrankungen litten und deshalb nicht erwerbstätig sein konnten, waren bei mir mit der Frage nach ihren beruflichen Möglichkeiten, nach ihrer BeRUFung und wie sie die mit ihrer Erkrankung wenigstens im Ansatz leben können.

Führungskräfte und Außendienst-MitarbeiterInnen eines mittelständischen IT-Unternehmens habe ich in intensiven Rhetoriktrainings zu Verkaufs-/Beratungsgesprächen und Firmenpräsentationen gecoacht.

Ein höflicher junger Mann mit einer autistischen Erkrankung hat mich ganz zart und allmählich an seiner Welt teilhaben lassen und wir haben gemeinsam eine Arbeitsstelle für ihn gefunden, wo er heute noch zufrieden ist.

Eine Unternehmensberatung hat mich mehrmals als Trainerin engagiert zum Thema Kreativitätstechniken und Projektmanagement.

Frauen, die jahrelang ihren Beruf für die Familienarbeit aufgegeben hatten und den Wiedereinstieg suchten, waren bei mir im BeRUFungscoaching, Bewerbungstraining und im Training von Soft Skills, wo es um Fähigkeiten wie Kommunikation, Konfliktlösung, Zeitmanagement ging. Im Kern um Selbstwert als Frau, als Mutter, als Fachfrau. Eine von ihnen ist die Frau mit der Yogaschule in meinem Artikel „Wo liegt mein Glück? Geschichten über das Finden des eigenen BeRUFswegs“.

Die Führungskräfte einer IT-Firma mit 12 MitarbeiterInnen haben mit mir an ihrem Führungsverständnis gearbeitet.

Die Jugendorganisation einer politischen Partei hat mit mir Seminare zur Kommunikationskultur unter Genderaspekten veranstaltet, also sowas wie „Wie reden Frauen und wie reden Männer und was können wir voneinander lernen und wie mit unseren Unterschiedlichkeiten fair umgehen?“.

Die MitarbeiterInnen des BürgerInnenbüros einer Kommunalverwaltung haben mit mir ihre Serviceorientierung trainiert.

Menschen mit und ohne psychologische Diagnose oder körperliche Erkrankung, mit und ohne Migrationserfahrung, mit und ohne Familie, mit und ohne beruflich glückliche Zeiten, mit und ohne schwule/lesbische/andere Identität haben mit meiner Unterstützung in einer von der Arge verordneten Maßnahme ihre beruflichen Möglichkeiten ausgelotet.

„Altgediente“ und frischgebackene AusbilderInnen und SozialpädagogInnen haben im Coaching an ihrem Selbstverständnis gearbeitet und in der Teamsupervision ihre Konflikte geklärt.

ExistenzgründerInnen haben im Coaching ihre Vision entworfen und ihre Ausrichtung geschärft.

Diese Vielfalt liebe ich!

Weil ich immer neues dazulernen darf. Weil es spannend ist, Menschen kennenzulernen und mit ihnen ein kleines Stück ihres Wegs zu gehen. Weil ich immer auf dem Boden der Realität bleibe, mit dem ganz normalen Leben konfrontiert bin. Dem ganz normalen Leben, wie mein eigenes auch eins ist. Keinerlei Gefahr abzuheben. Im Gegenteil.

Diese Vielfalt hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin.
Das Wertvollste, was sie mich gelehrt hat, ist Demut. Demut und Dankbarkeit.

Die Demut vor dem Leben. Die Demut gegenüber der Art, wie ein Mensch sein oder ihr Leben gestaltet mit seinen/ihren individuellen Möglichkeiten. Darin ist jeder Mensch gleich, jedes Leben gleichWertig. Die Demut, zu erleben, wie Menschen trotz größter Not weitergehen, die Hoffnung nicht aufgeben. Und die Dankbarkeit, dass sie mich an ihrem Leben teilhaben lassen.

Danke, Tania, für dein Schreiben aus dem Herzen und deine Impulse!

Ina Machold
DREILAND | Potenziale nutzen. Nachhaltig.

»Poten­ziale nach­hal­tig zu nut­zen, heißt, die Per­sön­lich­keit zu ent­fal­ten.
Die Per­sön­lich­keit als Mensch und die Per­sön­lich­keit als Orga­ni­sa­tion.«

Ich unterstütze seit 1996 Menschen darin, ihre persönlichen, beruflichen und politischen Potenziale zu entfalten.
Themenfelder: Kommunikation | Konflikte | Ziele

Unternehmen und Organisationen verändern durch meine Arbeit ihre Kultur.
Unternehmensprozesse: Führung | Kompetenz Management | Diversity Management

Diplom-Pädagogin und Mediatorin
Autorisierte Prozessberaterin für KMU bei unternehmensWert:Mensch
Mehr über meine Erfahrung, Arbeitsweise und Werte auf der DREILAND Website.