Weniger ist mehr. Und macht glücklich! #Blogparade von @schoebitz & @PetraSchuseil (Teil 3)

Die Blogparade “Weniger ist mehr” von Bettina Schöbitz und Petra Schuseil hat mich heraus­ge­fordert, mir mal bewusst zu machen, was ich im Moment zum Thema »Nachhal­tigkeit in meinem Leben« sagen möchte. Und mich dann zu begrenzen auf die Punkte, die mir am wichtigsten sind. Ganz herzlichen Dank für diesen Impuls!

Du hast im ersten Teil erfahren, was mir so langjährig vertraut ist, dass ich es kaum mehr nennenswert finde.

Im zweiten Teil konntest du lesen, was ich als Unter­nehmerin über Nachhal­tigkeit denke und vor allem selbst dazu beitrage.

Hier im letzten Teil geht es darum, mit welchen persön­lichen Fragen zur Nachhal­tigkeit ich mich zur Zeit beschäftige und wovon ich weniger in meinem Leben haben/tun will. Meine Überzeugung, die dahinter steht: Verzicht macht glücklich. Mich jedenfalls.

Weniger (keine!?) Milchprodukte

Ich lebe ja hier auf dem Land. So richtig! Der Stall mit 18 Milchkühen ist direkt neben meiner Haustür. Ein ganz durch­schnitt­licher Hof übrigens, das, was gerne als »normal« bezeichnet wird. Wenn ich an meinem Arbeitsplatz sitze, höre ich, was im Stall so passiert.

Was da so passiert: ohne, dass ich je ein neuge­borenes Kalb zu Gesicht bekäme (wenn mal eine Kuh ihr Kalb im Sommer auf der Weide gebiert, wird es sofort mit der Schubkarre wegtrans­portiert, zurück in den Stall), weiß ich immer sehr genau, wenn ein neues Rinderkind zur Welt gekommen ist. Weil es nämlich dann eine ganze Woche lang jeden Tag ununter­brochen weint und nach seiner Mutter ruft. Die Pausen zwischen den einzelnen Rufen sind in den ersten Tagen maximal 10 Sekunden kurz. Das ist wirklich so. Nach und nach werden die Pausen länger, das Rufen weniger. Auch im Winter, wenn die Kühe angebunden im Stall stehen und ihre Kälber im »Separée«.

Ich habe schon oft mit den Landwir­tInnen gesprochen, aber 1. kein Verständnis (außer der Altbäuerin, die mal was von »Mutter­kuh­haltung wär schon was« sagte aber nichts mehr zu entscheiden hat) und 2. bin ich weder Bayerin noch Landwirtin.

So ein Wohnort ist heilsam.

Auch wenn ich schon länger überlege, mich mehr vegan zu ernähren, so richtig hab ich’s bisher nicht versucht. Eier esse ich außer in selbst­ge­machten Spätzle und in gekauftem Kuchen oder Keksen (jaaa, meine Schwäche…) schon seit Jahren nicht mehr. Ich verwende seit gut einem dreiviertel Jahr Soja-/Reis-/Haferdrink als Milch­al­ter­native. (Beim Soja-Anbau meldet sich ja der nächste Wahnsinn an. Anderes Thema.) Aber, jetzt kommt’s: Wie?! Ich soll auf meine geliebte Butterbrezn verzichten??!! Ein Leben ohne Kässpätzle?! Pancakes mit Ahornsirup und ohne gesalzene Butter?! Hilfeee!!

Jetzt, im dritten Jahr hier neben dem Stall, reifte mein Entschluss: ich will mich einfach nicht mehr an diesem – wie ich finde – kranken System beteiligen. Der Horror für die Milchkühe überall, bio oder nicht, die in stickigen, dreckigen Ställen angebunden oder »nur« einge­pfercht stehen oder, wenn überhaupt möglich, in ihrem Dreck liegen müssen. Die immer mehr Milch produ­zieren müssen, irrsinnige Mengen. Jedes Jahr ein Kalb gebären und es niemals spüren, riechen, umsorgen und erziehen dürfen. Der Schmerz für die Kälber, bis sie im Jugendalter zum Schlachter gefahren werden.

Ich will einfach nicht mehr, dass diese wunderbaren Wesen leiden müssen, nur weil ich glaube, ich bräuchte Milch­produkte! Fertig.

»Ersatz­produkte«, die es inzwischen zu kaufen gibt, finde ich teilweise seltsam. Und manche schmecken mir nicht wirklich. Für Butter habe ich z. B. noch einen Ersatz gefunden. Also ganz weglassen. Da ich außerdem keine Freundin von Radika­lismen bin, nahm ich mir also vor, nur da zu verzichten, wo es mir leicht fällt. Also definitiv NICHT bei der Butterbrezn!

Und was soll ich sagen: ich habe zuletzt vor vielleicht 3 Monaten Butter gegessen (davor fast täglich) und…? *trommel­wirbel*

Nichts. Ich verhungere nicht, leide nicht, verzweifle nicht, hallu­ziniere nicht, falle nicht dem Wahnsinn anheim.

Und: NICHTS fehlt mir. Nichts. So einfach.

Es sind nur unsere Vorstellungen, die uns Verzicht so unvorstellbar schwierig erscheinen lassen. Tatsächlich kann es total einfach sein.

Jetzt also rausfinden: welche Kekse sind lecker, ohne tierische Zutaten und erschwinglich, was kann meine Kässpätzle und meine Pancakes retten, solche Dinge. Schokolade… da flatterte neulich dieses Rezept herein. Wird mal ausprobiert. Käse gibt’s seit längerem nur noch auf der Pizza, aber wahrscheinlich auch nicht mehr lange (und das, wo ich Überba­ckenes immer liebte und im Sommer Tomate-Mozzarella!).

Es ist ganz einfach. Wenn eins will. Und weiß wofür.

Weniger Tempo

Wenn ich am Arbeiten bin, bin ich gern effektiv, effizient und schnell. Ist ja nicht schlecht. Auf Dauer aber schadet mir dieses Hochtourige, weil es viel Energie kostet. Der Motor im Auto verschleißt doch auch schneller, wenn eins dauerhaft bei 3000 Umdre­hungen fährt, oder?

Also übe ich mich nun darin, mein Arbeitstempo zu drosseln, indem ich versuche, nach jeder bewäl­tigten Aufgabe kurz innezu­halten und mir bewusst zu machen, was ich gerade getan habe. Die Betonung liegt zur Zeit noch auf »üben« ;)

Eine wunderbare Unter­stützerin habe ich in Kaya, einer der beiden Katzen, die mit mir leben. Sie schafft es einfach immer, mich in meinem Rennen aufzu­halten. Wenn ich denke, ich koche nur schnell einen Tee und flitze dann wieder an meinen Schreibtisch, kommt sie her, springt vor mir auf den Schrank oder Tisch und streckt mir ihren schwarzen Kopf entgegen. Dann wird kurz kopfge­ku­schel­k­nutscht. Und das ist genau der Moment, in dem ich innehalte und nur bin. Ein wertvoller Moment von wohltuender Langsamkeit. Sein. Spüren. Herz. Bevor ich weiterrenne.

Weniger Unachtsamkeit

Einen Dank an andere auszu­sprechen, auch, wenn es sich um scheinbare Selbstverständlich-keiten handelt, fällt mir leicht. Ich erlebe häufig, dass die Menschen sich wundern, wofür ich mich bedanke.

Einen Dank an all diejenigen auszu­sprechen, die meinen Wohlstand ermög­lichen, vergesse ich oft.

Ich bin überzeugt, dass das Bewusstsein, in dem ich etwas tue, bedeutsam ist. Für mich selbst und meine eigene Gesundheit. Und für alle.

Ich versuche deshalb seit einiger Zeit, jedes Mal, wenn ich etwas esse, Danke zu sagen. »Danke an alle, die hieran beteiligt sind.« Da ist dann auch die Erde selbst und alles, was es außerhalb unserer üblichen Wahrnehmung noch gibt, enthalten.

Manchmal versuche ich auch mir vorzu­stellen, wer diese Betei­ligten sind. Und scheitere an der unermess­lichen Komplexität, die sich selbst hinter einem scheinbar unspek­ta­kulären Apfel verbirgt.

Wie klein wir doch sind.

Und noch mehr »Weniger«

Neben diesen Bewegungen gibt es natürlich noch andere spannende Heraus­for­de­rungen. Weniger Leder vielleicht. Weniger Richtig­ma­chen­wollen. Weniger Bequem­lichkeit. …

 

So, das wären jetz meine Gedanken zur Blogparade. Ich hab keine Ahnung, ob dich das überhaupt inter­essiert hat. Aber, liebe/r Lesende, es MUSSTE einfach sein ;)

Deine Kommentare, Ergän­zungen, Anregungen sind wie immer herzlich willkommen!

Übrigens: Kennst du Hof Butenland? Hier dürfen Kühe und andere »Nutz»tiere nach teilweise jahre­langer Qual ein gutes Leben führen. Sie bekommen einen Namen, Freun­dInnen, gutes Futter, frische Luft, Platz und Liebe. Hier kannst du ihre Geschichten lesen.


Ina Machold
DREILAND | Potenziale nutzen. Nachhaltig.

»Poten­ziale nach­hal­tig zu nut­zen, heißt, die Per­sön­lich­keit zu ent­fal­ten.
Die Per­sön­lich­keit als Mensch und die Per­sön­lich­keit als Orga­ni­sa­tion.«

Ich unter­stütze seit 1996 Menschen darin, ihre persön­lichen, beruf­lichen und politischen Potenziale zu entfalten.
Themen­felder: Kommu­ni­kation | Konflikte | Ziele

Unter­nehmen und Organi­sa­tionen verändern durch meine Arbeit ihre Kultur.
Unter­neh­mens­prozesse: Führung | Kompetenz Management | Diversity Management

Diplom-Pädagogin und Mediatorin
Autori­sierte Prozess­be­raterin für KMU bei unternehmensWert:Mensch
Mehr über meine Erfahrung, Arbeitsweise und Werte auf der DREILAND Website.

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