Spinnt sie jetzt völlig? Spiritualität im beruflichen Alltag

Monika Birkner hat ein Interview gegeben zur Frage, inwieweit Spiri­tualität und beruf­licher Alltag als Selbständige zusam­mengehen und wie sich Spiri­tualität auf das berufliche Sein und Tun auswirkt.

Und bevor ich ihr einen Roman in die Kommentare schreibe, packe ich meine Gedanken doch lieber in diesen kleinen Blogartikel. Danke, liebe Frau Birkner, für den wertvollen Impuls!

Geht das also, die Verbindung von Spiritualität und Businessalltag?

Die Frage stellt sich für mich nicht. Denn ich erlebe beinah jeden Tag, wie sich beides für mich gar nicht trennen lässt. Das Bild vom Atem, der jede Zelle in unserem Körper durch­dringt, beschreibt das auch für mich sehr gut.

Alles, was ich bin – und dazu gehört sehr zentral auch mein spiri­tuelles Sein – fließt in meine Arbeit ein. In die Art, wie ich mit mir selbst in Bezug auf meine Arbeit umgehe. Mit Erfolgen, Misser­folgen, Zweifeln. In die Art, wie ich mit den Menschen, die mit mir arbeiten, umgehe. In die Art, wie ich mich als Selbständige begreife, entwerfe, positioniere, hinterfrage. In jedem Moment. Und letztlich ist mein spiri­tuelles Wesen die Grund­mo­ti­vation dafür, dass ich tue, was ich tue. Auch, wenn mir das sehr lange gar nicht bewusst war.

Am Anfang war… eine USA-Reise

Mein spiri­tueller Weg war sehr lange ein Suchen, habe ich mich doch in den Weltre­li­gionen nicht wirklich aufgehoben gefühlt. Als ich 2001 in die USA reiste mit dem Wunsch, etwas über das Leben der Native Americans zu lernen, habe ich viele sehr berührende Erfah­rungen gemacht, die letztlich dazu führten, dass ich mein spiri­tuelles Zuhause finden durfte. Was für ein Geschenk!

Und dann begann die Arbeit…

An mir selbst. Nicht gerade ein Honig­schlecken, aber not-wendig. Die Arbeit an mir in jedem Moment meines Lebens, bis ich tot umfalle.

Dass diese Arbeit nicht folgenlos bleiben kann für mein beruf­liches Handeln, ist jetzt keine große Überra­schung, finde ich.

Es macht ja auch einen Unter­schied für meinen Körper, meinen Geist, ob ich mit meinem Atmen frische Waldluft in meine Zellen schicke, die parfüm­schwere Luft einer Drogerie oder die abgestandene Luft in einem Seminarraum nach einem intensiven Arbeits­prozess.

Professionalität: Verbindung von »Stille« und Rolle

Warum meine innere Arbeit logischerweise Konse­quenzen für mein beruf­liches Handeln hat? Profes­sio­nalität, wie ich sie für mich definiere, hat auch damit zu tun, inwieweit ich es wage, mich im Arbeits­prozess als Mensch zu zeigen. Dann sitzen da einfach nur zwei Menschen im Coaching beieinander oder fünf. Ganz egal, welche Rollen sie gerade oder im restlichen Leben haben.

Meine Überzeugung ist, dass die Herzensebene, die Ebene, auf der wir einfach nur Menschen sind, die eigentlich wichtige ist in der Arbeit mit Menschen. Weil darüber die Verbindung entsteht. Und die brauchen wir ja, wenn wir zusammen arbeiten wollen. Egal, ob in einer Wirtschafts­me­diation, einem beruf­lichen Coaching, einem Kommu­ni­ka­ti­ons­training.

Das hat übrigens rein gar nichts mit Sympathie oder einem mit verklärtem Blick gehauchtes »Ich liebe euch alle« zu tun. Ich muss einen Menschen nicht mögen oder gut finden, was er*sie tut, um ihm*ihr als Mensch zu begegnen.

Auf dieser Ebene braucht es kein »richtig oder falsch«, kein Werten, kein arrogantes »Ich weiß was Sie brauchen«, keine »profes­sionelle Distanz« (in meiner Branche gern gebrauchter Begriff), keine Einordnung in Schubladen. Auf der Herzensebene gibt es den Menschen in seinem*ihrem Gewor­densein, so, wie er*sie da ist. Punkt. Stille erstmal. Für einen kleinen Moment schweigt unser ewiges inneres Geplapper.

Und dann erst die Methoden und Arbeits­werkzeuge. In all ihrer Qualität und Wirksamkeit. Welche? Wie behutsam eingesetzt? Das entscheide ich auf der Basis meiner Profes­sio­nalität.

Professionalität, getragen von spiritueller Entfaltung

Es ist ganz einfach: was für mich gut ist, wirkt auch positiv auf die Menschen, die mit mir arbeiten. Eine ganz simple, boden­ständige Rechnung, nichts »Gspinnert’s« oder »Heiliges«. Wenn ich darauf achte, wie ich mit mir umgehe und wie ich mich in meine Arbeit hinein­stelle, mache ich meinen Job noch besser, denn:

Ich kenne und beobachte mich. Was tue ich da? Warum? Welche Möglich­keiten gibt es noch? In jedem Moment.

Ich nehme immer diffe­ren­zierter wahr. Mich selbst und die Menschen, die mit mir arbeiten.

Ich bin milde mit mir, meiner Begrenztheit, meinem Nicht­können. So oft es mir gelingt. Für mich, die ich mit riesin­nen­gleichen Ansprüchen an mich selbst durchs Leben spaziere, ein großes Übungsfeld!

Ich wage es immer mehr, dem Leben zu vertrauen. Für mich, für alle. Dann sind es nicht mehr in erster Linie die Ergebnisse, die zählen. Sondern der Prozess selbst. Auch das: ein gutes Stück Arbeit für mich, immer wieder aufs Neue.

Durch dieses Vertrauen-üben erlebe ich die wohltuende Wirkung von Beschei­denheit und Demut. Es geht in meiner Arbeit nicht um mich, meine Kompetenz als Mediatorin oder Trainerin, meine wichtigen Zettel oder Referenzen. Nicht ich bin es, die Menschen dazu bringt, dies oder das zu tun. Das tun sie selbst, mit der Hilfe derer, die sie begleiten.

Und ich kann mich entspannen, weil ich nicht in eine heldin­nenhafte Ego-Nummer von Ich-rette-die-Menschheit einsteigen muss. Auch fein ;)

Statt dessen folge ich mit immer größerem Vertrauen meinen Impulsen. Auch wenn ich mich im Tun dann doch sehr über mich wundere. Mir erstaunt dabei zusehe, wie ich alle Ratschäge in den Wind puste und mein eigenes Ding mache. So stelle ich mich bewusst in den Dienst der Aufgabe, die es zu lösen gilt, in den Dienst mir selbst und allen Betei­ligten gegenüber. Das ist wirklich ein gutes Gefühl!

Ich richte den Blick auf das, was wirklich wichtig ist: ein gutes Leben. Für uns alle. Trotz – oder besser: in Gleich­zei­tigkeit mit – allem, was ist.

Ich bin dankbar, tun zu dürfen, was ich tue.

So sieht’s aus.


Ina Machold
DREILAND | Potenziale nutzen. Nachhaltig.

»Poten­ziale nach­hal­tig zu nut­zen, heißt, die Per­sön­lich­keit zu ent­fal­ten.
Die Per­sön­lich­keit als Mensch und die Per­sön­lich­keit als Orga­ni­sa­tion.«

Ich unter­stütze seit 1996 Menschen darin, ihre persön­lichen, beruf­lichen und politischen Potenziale zu entfalten.
Themen­felder: Kommu­ni­kation | Konflikte | Ziele

Unter­nehmen und Organi­sa­tionen verändern durch meine Arbeit ihre Kultur.
Unter­neh­mens­prozesse: Führung | Kompetenz Management | Diversity Management

Diplom-Pädagogin und Mediatorin
Autori­sierte Prozess­be­raterin für KMU bei unternehmensWert:Mensch
Mehr über meine Erfahrung, Arbeitsweise und Werte auf der DREILAND Website.

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