Eine Geschichte über das Glück, dem eigenen RUF zu folgen: Nele’s BeRUFswahl

Heute darfst du hier wieder eine Geschichte lesen. Eine wahre Geschichte. Sie handelt von einer jungen Frau, die mich um Unter­stützung bei ihrer Berufswahl bat. Ich nenne sie hier Nele.

Nele’s Situation

Nele ist 21 Jahre, hat vor 2 Jahren die Fachhoch­schulreife erlangt und seither außer ein paar Praktika in verschiedenen Bereichen »nicht viel gemacht«, wie sie sagt. Sie hat sehr viele unter­schiedliche Interessen und findet viele Tätig­keiten und Berufe spannend. Geographie zum Beispiel. Oder Event­ma­nagement. Oder Kunst. Auch Reisen liebt sie. Aber auch Handwerk­liches. Modellbau vielleicht. Oder Näherin. Gerne körperlich anstrengend. Auch gerne draußen. Aber das Lernen fällt ihr nicht leicht, weil sie sehr schnell müde wird dabei und nicht lange still­sitzen kann. Also lieber kein Studium. Oder doch? Vielleicht ein Studi­engang mit viel Praxis­anteil? Lehrerin vielleicht?

Nele kann sich einfach nicht entscheiden. Und das ist allein schon eine schwierige Situation. Hinzu kommt: sie lebt immer noch zu Hause, hat kein eigenes Geld und keine Aufgabe. Nicht mal eine konkrete Idee oder eine Planung. Nichts. Außer ihrer Vielfalt und der Entscheidung, die sie nicht treffen kann.

Weil sie außerdem gemerkt hat, dass sie bei genauerem Hinschauen oder praktischem Auspro­bieren sehr schnell das Interesse an einem Beruf wieder verliert, ist sie inzwischen ziemlich verzweifelt.

Deshalb hat sie sich gedacht, sie macht jetzt mal einen Berufswahl-Test. Um wenigstens einen Anhaltspunkt zu finden, was denn zu ihr passen könnte. Und da wurde ich ihr als »Berufs­be­raterin« empfohlen.

Ein RAUM eröffnet sich… Möglichkeiten

Ich kenne einige solcher Tests. Habe sie früher auch mal eingesetzt bzw. empfohlen, aber sehr schnell gemerkt, dass das die Menschen nicht wirklich weiter­bringt. Du fühlst dich einfach nicht sicher mit dem Ergebnis. Oder nicht ganz erfasst. Klar, wie auch, in diesen Tests geht es ja meist um eine sehr grobe Einteilung… »Schubladen«… Berufe in diesem Fall. Und in einer Schublade lebt sichs nicht sehr weiträumig und vielseitig.

Also schreibe ich ihr meine Einschätzung zu Berufswahl-Tests (weil wir ca. 150km entfernt leben, mailen wir erstmal).

Was interessiert mich?

Ich rege Nele an, statt bei einem Blick von außen (in diesem Fall der Test) erstmal bei sich selbst anzufangen. Mal alles aufzu­schreiben, was sie inter­essiert. Und was genau sie daran inter­essiert. Der erste und wichtigste Schritt auf dem Weg zur BeRUFung: dir klar werden darüber, was dich ausmacht. Deine Fähig­keiten, Stärken und Interessen. Deine Motive, deine Bedürfnisse, deine Vision. Mehr dazu in meinen Artikeln »Was ist meine BeRUFung? Berufswahl und klare Ausrichtung in beruf­lichen Krisen« oder »Wo liegt mein Glück? Geschichten über das Finden des eigenen BeRUFswegs« hier im Blog.

Was sind meine Potentiale?

Als Alter­native zum Test biete ich ihr an, einen Blick in ihr Geburts­ho­roskop zu werfen, wenn sie das möchte. Ja, auch da gibt es eine Form von »Schubladen«, wenn man klassisch vorgeht in der Deutung. Ich mach’s anders. Ich gehe von Poten­tialen aus. Immer. Auch das, was schwierig umzusetzen ist, ist ein Potential. Und niemals ist irgendein Zeichen »gut« oder »schlecht«, »positiv-männlich« oder »negativ-weiblich«. Es ist wie es ist. Und das ist für jeden Menschen anders.

Davon abgesehen versteht es sich für mich von selbst, dass ich keinerlei Zukunfts­pro­gnosen mache. Das halte ich wirklich für unver­ant­wortlich und oft auch substanzlos. Ich schaue lediglich: welche beruf­lichen Talente sind zu erkennen, welche Bedürfnisse, bevor­zugten Arbeits­um­ge­bungen, Aufgaben. Ganz boden­ständig und unter­stützend. Und immer behutsam.

Das Leben ist ein mäandernder Fluss, kein begradigter Kanal!

Außerdem erzähle ich ihr ein bisschen von meiner Erfahrung. Dass es viele Menschen gibt, die sich mit der Berufswahl sehr schwertun. Dass viele sich erstmal für einen Weg entscheiden, der ihnen in ihrer aktuellen Lebens­si­tuation am ehesten reizvoll/passend/realistisch vorkommt. Und dann sich mit der Zeit weiter­ent­wickeln.

Die klassische »Normal­bio­graphie« gibt’s wirklich schon lange nicht mehr. Damit ist die Vorstellung gemeint, dass ein Mensch einen »gerad­linigen« Berufsweg hat: nach der Schule eine Ausbildung, danach die Erwerbs­tä­tigkeit im gelernten Beruf, danach die Rente. Fertig. Das Leben zeigt allerdings, dass die Lebenswege von Menschen – bei Frauen und Männern unter­schiedlich – alles andere als geradlinig verlaufen. Jede Biographie enthält Zeiten, in denen anderes passiert als Erwerbs­arbeit: Kinder­er­ziehung, Auslands­auf­enthalt, Krankheit, Drogen­entzug, Gefäng­nis­auf­enthalt, Pflege von Angehörigen, Unfälle mit anschie­ßender Rehabi­li­ta­ti­onszeit, ehren­amtliche Mitarbeit, Zeiten, in denen wichtige Lebens­er­eignisse verar­beitet werden, z. B. der Tod eines Elternteils. Und mehr.

Auch wenn sich Nele’s Entscheidung für sie schwer­wiegend und endgültig anfühlt: eine Berufs­wah­l­ent­scheidung ist keine Entscheidung fürs ganze Leben. Sie darf darauf vertrauen, dass sie verschiedene Wege gehen kann. Immer wieder mal die Weichen neu stellen kann. Mehrere Berufe lernen kann. Weiter­bil­dungen, selbst­ge­staltetes Lernen, Fernstudium… es gibt so viele Möglich­keiten.

Nele wählt aus… Wege

Nele findet beide Vorschläge spannend und macht sich gleich an die Arbeit: schreibt alles auf, was sie inter­essiert und warum sie das inter­essiert. Ich bekomme eine ellenlange eMail :)

Zusätzlich möchte sie gern eine kleine astro­lo­gische Beratung zu ihrer BeRUFung. Wir machen einen telefo­nischen Termin aus, an dem wir zuerst ihre Liste »Was mich inter­essiert« und danach kurz ihr Horoskop besprechen.

In diesem Gespräch wird zu Anfang Nele’s Verzweiflung sehr deutlich, ihr Unglück­lichsein damit, dass sie einfach nicht spürt oder entscheidet, was sie tun will. Nach und nach entsteht bei ihr immer mehr ein Gefühl von »Ok, es ist anscheinend einfach so bei mir, dass ich sehr vielfältig bin. Und eigentlich ist das ja wirklich schön!«. Zu diesem Sich-Selbst-Annehmen kommt auf einmal eine Klarheit hinzu, ihr Entschluss: »Ich fang jetzt einfach mit einem Beruf an, und schau dann, was das Leben noch so alles bereithält!«.

Wir arbeiten verschiedene Möglich­keiten durch und landen am Ende des Gesprächs bei einer einzigen Berufsidee: die Verbindung von handwerk­lichem und künst­le­rischem Arbeiten. Nele ist sehrsehr erleichtert! Auch wenn sie noch gar nicht genau weiß, welche Ausbil­dungs­berufe dazu passen: sie hat das Gefühl, klar zu sein mit sich selbst!

Nele hat sich geklärt… Erleichterung und Aufbruch!

Wir vereinbaren, dass sie im nächsten Schritt selbständig losgeht und sich Infor­ma­tionen zu passenden Berufs­bildern sucht.

Das nächste, was ich von ihr höre, ist eine kleine eMail, in der sie freude­strahlend (ja, das ist irgendwie zu »sehen”) erzählt, dass sie jetzt eine Ausbildung zur Bühnen­plas­tikerin begonnen hat und sich sehr wohlfühlt damit.

Ein Jahr später kommt eine Karte von Nele, in der sie berichtet, dass sie immer noch voller Eifer ist in der Ausbildung und so glücklich, dass sie endlich ihren Weg gefunden hat. Zumindest für die nächsten Jahre :)


Ina Machold
DREILAND | Potenziale nutzen. Nachhaltig.

»Poten­ziale nach­hal­tig zu nut­zen, heißt, die Per­sön­lich­keit zu ent­fal­ten.
Die Per­sön­lich­keit als Mensch und die Per­sön­lich­keit als Orga­ni­sa­tion.«

Ich unter­stütze seit 1996 Menschen darin, ihre persön­lichen, beruf­lichen und politischen Potenziale zu entfalten.
Themen­felder: Kommu­ni­kation | Konflikte | Ziele

Unter­nehmen und Organi­sa­tionen verändern durch meine Arbeit ihre Kultur.
Unter­neh­mens­prozesse: Führung | Kompetenz Management | Diversity Management

Diplom-Pädagogin und Mediatorin
Autori­sierte Prozess­be­raterin für KMU bei unternehmensWert:Mensch
Mehr über meine Erfahrung, Arbeitsweise und Werte auf der DREILAND Website.

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